Das Literaturmuseum von Odesa
Lanscheroniwska-Straße 2 | Telefon: +380 48 722 3370
https://museum-literature.odessa.ua/en/project/museum-halls/
Das literarische Odesa ist nicht nur mit den Namen von Schriftstellern verbunden, deren Biografie oder творчість mit der Stadt verknüpft waren, sondern auch mit einem künstlerischen Bild, das die Weltkultur bereichert hat. Die Verkörperung aller Besonderheiten der Stadt und eine Art Spiegel von Odesa ist das Literaturmuseum von Odesa.
Das Literaturmuseum von Odesa gehört zu den größten Literaturmuseen der Welt. Es wurde 1977 gegründet und 1984 eröffnet. Hauptgestalter der Ausstellung war der bedeutende ukrainische Designer, Träger des Taras-Schewtschenko-Preises und Künstler A. W. Hajdamaka. Gründer und erster Direktor des Museums war N. A. Bryhin.
Das Gebäude, in dem sich das Literaturmuseum von Odesa befindet, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Entwurf des Architekten Ludwig Otton erbaut. Der Palast gehörte dem Vertreter der höchsten Kreise der russischen Aristokratie, einem der ersten Bürger von Odesa, Fürst Dmytro Gagarin, und seiner Frau Sofija. Die Innenräume des Palastes beeindrucken durch eine unerwartete Verbindung verschiedener Stilrichtungen — Klassizismus, Barock und Empire —, die typisch für den Süden des Russischen Reiches in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts war und als „freie südliche Eklektik“ bezeichnet wurde. Das Literaturmuseum von Odesa ist zugleich ein Museum der Buchgeschichte, teilweise ein Gedenkmuseum mit persönlichen Gegenständen von Schriftstellern und gleichzeitig ein Museum der Literatur- und Kulturgeschichte der Stadt.
Die Ausstellung des Museums stellt ein System aus Symbolen und Zeichen dar, in das authentische Dokumente der jeweiligen Zeit eingebettet sind: Bücher, Manuskripte, Zeitungen, Zeitschriften, Fotografien, persönliche Gegenstände von Schriftstellern und Objekte der jeweiligen Epoche. Das Design des Museums verbindet eine eindrucksvolle künstlerische Gestaltung mit einem klaren literarisch-historischen Inhalt.
Das Museum präsentiert mehr als dreihundert Namen von Schriftstellern, deren Schicksale und Werke mit Odesa verbunden waren — von Iwan Kotljarewskyj, Alexander Puschkin und Adam Mickiewicz bis zu Heinrich Böll, Georges Simenon und Boris Pasternak. Neben den großen Schöpfern der Literatur — Mykola Hohol, Lew Tolstoi, Mychajlo Kozjubynskyj, Lessja Ukrajinka, Scholem Alejchem, Anton Tschechow, Iwan Bunin, Iwan Franko, Anna Achmatowa, Isaak Babel, Ilja Ilf, Jewhen Petrow, Walentin Katajew und Mykola Kulisch — werden auch zahlreiche Autoren der sogenannten „zweiten Reihe“ vorgestellt, die eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der nationalen Kultur spielten.
Zwanzig Säle des Museums, die sich als Enfilade über zwei Etagen des Palastes erstrecken, erzählen in chronologischer Reihenfolge die Geschichte des literarischen Odesa. Das Bild jedes Saales vermittelt die Atmosphäre des Lebens der Stadt in einem bestimmten historischen Abschnitt und enthüllt die Geheimnisse, Legenden und die Realität der „Perle am Meer“.
Heute ist das Literaturmuseum von Odesa eine „Visitenkarte“ der Stadt und ein bedeutendes Forschungs-, Verlags- und Kulturzentrum. Neben der ständigen Ausstellung ist das Museum für seine Literatur- und Kunstausstellungen, Konzerte klassischer Musik, Buchpräsentationen, Konferenzen und kulturwissenschaftlichen Veranstaltungen bekannt. Der repräsentative Goldene Saal des Museums gilt mit seinem prachtvollen Interieur und seiner hervorragenden Akustik als bester Kammerkonzertsaal von Odesa.
An das Museumsgebäude grenzt ein Innenhof im italienischen Stil, der die alte Tradition der Innenhöfe von Odesa mit ihrer Gemütlichkeit und Eigenart fortsetzt. Geschmückt mit Blumenbeeten und einem Brunnen im Zentrum, wird der Hof von originellen Skulpturen bevölkert. Seit 1995 entsteht hier der Skulpturengarten — eine Freiluftausstellung und ein einzigartiges Kulturobjekt ohne Analoga. Der Skulpturengarten umfasst heute siebzehn humorvolle Skulpturenkompositionen, die Schriftstellern, literarischen Helden und bekannten Figuren der städtischen Folklore gewidmet sind. Zu den Werken moderner Bildhauer zählen unter anderem: „Rabinowitsch — Held der Odesaer Witze“, „Die Antilope Gnu“, „Denkmal für das kommende Genie“, „Saschka der Musiker“, „Der Jeans-Duke“, „Der grüne Lieferwagen“, „Odesa-Mama“, „Der Odesaer Mischa“, „Kefalenschalanden“, „Denkmal für den unbekannten Leser“, Denkmäler für Ilf und Petrow, das Gogol-Denkmal „Die Troika“, das Denkmal für Konstantin Paustowski „Zeit großer Erwartungen“, „Die Schule von Odesa“, das Denkmal für Wladimir Wyssozki „Das goldene Herz“, die Skulptur „Das silberne Zeitalter“ sowie „Die Brüderschaft der Museen“. Außerdem sind hier antike Skulpturen des nördlichen Schwarzmeerraumes ausgestellt — polovzische und skythische Steinfiguren aus den Sammlungen des Archäologischen Museums. Jahr für Jahr entwickelt sich der Skulpturengarten zu einer Ausstellung moderner Bildhauerkunst. Humor und Ironie in Bronze und Marmor wurden zu einem anschaulichen Lehrbuch unterschiedlichster plastischer Lösungen: An den Statuen arbeiteten Bildhauer verschiedenster Stilrichtungen — sowohl traditioneller als auch vollkommen experimenteller. Die gesamte Ausstellung vermittelt das einzigartige Bild des auf uraltem Boden stehenden und doch stets jungen Odesa. Autor des Projekts „Skulpturengarten“ ist Leonid Liptuga.